Die Geschichte der Berliner Medizinischen Gesellschaft ebnet den Weg auf den Hinweis und damit auf die Existenz einer Vielzahl von künstlerischen Darstellungen, die in Verbindung stehen mit ihren Mitgliedern, in der Regel mit ihren Vorsitzenden. Auf A. von Graefe weisen allein 4 Kunstwerke unterschiedlichster Art hin. Um diese Seite nicht zu überlasten, ist ihm daher eine eigene Seite gewidmet: Albrecht von Graefe
Rudolf Virchow: Büsten, DenkmalRudolf Virchow (1821–1902 war der international bekannteste
Vorsitzende unserer Gesellschaft in den letzten 10 Jahren seines Lebens
von 1882 bis 1902. Es stellt sich hier die Frage, weshalb er nach einem
aufreibenden Berufsleben über unsere Berliner Medizinische
Gesellschaft den intensiven Kontakt zur allgemeinen Ärzteschaft
suchte. Für Virchow hatte eine im Jahre 1874 im Auftrage des
„Ministeriums der Geistlichen-, Unterrichts- und
Medicinalangelegenheiten“ durchgeführte Reise nach
Oberschlesien zur Ursachenforschung der dortigen Typhusepidemie
gezeigt, dass nur ein Zusammengehen von politischen und medizinischen
Verantwortlichkeiten eine Verbesserung der medizinischen Lage in den
Städten und auf dem Land Preußens bringen konnte. Neben der
Medizinischen Forschung musste also gleichbedeutend auch eine
sozialmedizinische Reform mit Hilfe einer aufgeschlossenen
Ärzteschaft durchgeführt werden. Rolf Winau weist zu Recht
darauf hin, dass Virchow nicht nur ein hervorragender Pathologe war. Er
betont vielmehr Virchows Bedeutung für die soziale Medizin und
seine Forderung nach uneingeschränkter Demokratie, nationaler
Autonomie, Verbesserung von Landwirtschaft und Industrie, aber auch von
Freiheit und Wohlstand (Lit. Winau 2003). Nicht ohne Grund gab Virchow
die Wochenzeitschrift „Die Medicinische Reform“ heraus.
Insofern muss heute uneingeschränkt anerkannt werden, dass der
Vorsitzende der Berliner Medizinischen Gesellschaft nicht nur ein
international anerkannter Pathologe war, sondern auch ein namhafter
medizinischer Sozialwissenschaftler.
Es verwundert daher nicht, dass im sog. Medizinerviertel um die
Charité mehrere Büsten und ein Denkmal aufzufinden sind:
Eine
Büste des Potsdamer Bildhauers Marcus Golter (geb. 1966),
gestiftet von Frau Dr. Veronika Hahn, verschönert die Fassade am
Langenbeck-Virchow-Haus (s. oben).
Weiterhin existieren zwei Marmorbüsten und zwei Bronzebüsten.
Die erste Marmorbüste steht im Institut für Geschichte der
Medizin, Klingsorstraße, und die zweite schmückt die
Räumlichkeiten des Dekanats. Letztere wurde gefertigt von dem
Bildhauer B. Afinger im Jahre 1882 und stammt ursprünglich aus dem
Langenbeck-Virchow-Haus. Sie wurde mit anderen Büsten in den 80-er
Jahren, eingemauert im Kellerraum der Chirurgischen Klinik, wieder
aufgefunden. Von diesem Original Afingers wurden 2 Bronzekopien
erstellt. Das erste Bronzeportrait R. Virchows ist vor dem
Pathologischen Institut aufgestellt (siehe Abbildung), die zweite
Bronzebüste der Berliner Medizinischen Gesellschaft befindet sich
im Hörsaal des Langenbeck-Virchow-Hauses.
Das großes Denkmal befindet sich am Karlplatz, Ecke
Luisenstraße – Reinhardtstraße. Es wurde im Jahre
1910 von dem Bildhauer Fritz Klimsch geschaffen und trägt
rückwärtig folgende Inschrift: DEM GROSSSEN FORSCHER, SEINE
SCHÜLER UND FREUNDE IHREM EHRENBÜRGER; DIE STADT BERLIN.
Literatur: Winau, R.: Familienbande. Carl Mayer, Rudolf Virchow und die Berliner Geburtshilfe im Vormärz (1810 – 1848). Notabene medici Nr. 4-5 (2003), S. 180 -183 und Festvorlesung : Langenbeck, Virchow und das Langenbeck-Virchow-Haus. Langenbecks Arch Chir Suppl II (Kongressbericht 1995)
Relief der »Stillenden Mutter« – Schumannstraße 18Das Haus Schumannstr. 18 wurde in den Jahren 1908/1909 als moderne Frauen- und Geburtsklinik errichtet. Sein Bauherr war Prof. Paul Ferdinant Straßmann, geb. am 23.10.1866 in Berlin, gest. am 15.8.1938 in Gstaad. Hier praktizierte, lehrte und wohnte der international renomierte Arzt und Wissenschaftler. Er besaß gleichzeitig hohes Ansehen als Kunstförderer. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er 1935 der Lehrbefugnis beraubt und musste 1936 unter dem Druck der Nationalsozialisten die Klinik schließen und einem Zwangsverkauf zustimmen. Soweit der Originaltext auf der Plakette (angedeutet im unteren Bildabschnitt).
Nachzutragen ist, dass der Gynäkologe Paul Straßmann das Haus als private Fachklinik baute, nachdem ihn die Charité wegen seiner jüdischen Herkunft nicht in leitender Funktion eingestellt hatte. Straßmann musste die Klinik zu einem Spottpreis 1936 an die Charité verkaufen, bevor er in die USA ausreiste bzw. floh. Bis 1998 wurde hier medizinisches Fachpersonal ausgebildet.
Bernhard von Langenbeck
Vorsitzender von 1871 – 1882
Bernhard von Langenbeck (Chirurg)

Originalskulptur am Langenbeck-Virchow-Haus des Potsdamer Bildhauers Golter (2004), gestiftet von der Firma Aeskulap
Bernhard Rudolph Conrad von Langenbeck (1810 – 1887) geb. in Paddingbüttel/ Hannover studierte Medizin an der Georg August-Universität in Göttingen. Hier habilitierte er sich im Jahr 1838 als Privatdozent der Physiologie und pathologischen Anatomie und wurde 1842 Ordinarius für Chirurgie an der Universität in Kiel. Nach dem Tode von Johann Friedrich Dieffenbach übernahm Langenbeck am 13. Mai 1848 die Leitung der Charité in Berlin, woraufhin die Berliner Universitätklinik für 40 Jahre zum Zentrum der Chirurgie Europas wurde. Außerdem war er am Jüdischen Krankenhaus tätig. - Zu seinen Schülern und Assistenten gehörten Th. Billroth, F. von Esmarch, C. Hueter, R.U. Krönlein, F. Trendelenburg K.E.A. Wagner.

Marmorbüste: Langenbeck von C.F.E. Hartzer 1882 im Langenbeck-Virchow-Haus, Berlin
Langenbeck gründete 1860 - zusammen mit seinen Schülern Theodor Billroth und Ernst Julius Gurlt - die Zeitschrift Archiv für Klinische Chirurgie, die heute noch besteht als Langenbeck's Archives of Surgery. Von ihm ging jene Initiative aus, die im Jahr 1872 zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie führte, deren Präsident er bis 1885 wurde.
Trotz der Spezialisierung der Medizin war ihm – ähnlich wie R. Virchow - der intensive Kontakt zur allgemeinen Ärzteschaft und deren weitgefächerte Fortbildung sehr wichtig. Aus diesem Grund gründete er 1860 mit Virchow und A. von Graefe die Berliner Medizinischen Gesellschaft, zu deren Vorsitzenden er von 1872 – 1882 gewählt wurde.
Neben einer Gedenktafel in Göttingen, Obere Maschstraße 6, für die Wohnzeit von 1838 bis 1842, erinnert besonders die Berliner Medizinische Gesellschaft als auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie an den großen Berliner Arzt:
Kopfbüste am Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin, Luisenstraße 58 (Abb).
Ölgemälde von Ismaél Gentz (1862 – 1914). Hier steht von Langenbeck mit Billroth gegenüber Victor von Bruns
Bernhard von Langenbeck und seine Frau Arnoldine Reinbold († 4. Dezember 1886 in Wiesbaden) hatten drei Söhne und mindestens eine Tochter. Die Familiengrabstätte befindet sich - als ein Ehrengrab gekennzeichnet - auf dem Alten Kirchhof der St. Matthäus-Kirche.
Lit.: Peiper, H.J. Das Langenbeck-virchow-Haus im spiegel der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie Einhorn-Presse-Verlag 2001
Theodor Billroth
Theodor Billroth - Marmorbüste im Langenbeck-Virchow-Haus von C. von Zumbusch 1892 (Abb.)

Christian Albert Theodor Billroth (1829 – 1894) war Pathologischer Anatom und Chirurg. Als solcher revolutionierte er die Bauch- und die Kehlkopfchirurgie. Billroth studierte in Göttingen, Wien und Berlin. Als Assistent von B. von Langenbeck wirkte er zwischen 1853 und 1860 an der Charité, wo er die Grundlagen plastischer Chirurgie und die Konstruktion chirurgischer Instrumente erlernte. Bei Langenbeck konnte er sich in den Fächern Chirurgie und pathologische Anatomie 1856 habilitieren. 1858 lehnte er einen Ruf als Prof. der pathologischen Anatomie nach Greifswald ab und folgte zwei Jahre später einem Ruf auf den Chirurgischen Lehrstuhl nach Zürich. Während seiner Zeit dort schrieb er seine bekannten pathologisch-anatomischen Arbeiten. Kontakte entstanden zu E.G.B. von Bergmann, K.A. von Bier, E. F. von Sauerbruch. Von Zürich aus wechselte er 1867 nach Wien und übernahm dort die 2. Chirurgische Lehrkanzel, der er bis an sein Lebensende vorstand. Den Ruf als Langenbecks Nachfolger nach Berlin lehnte er ab.
Bekannt wurde er durch zwei Formen der nach ihm benannten Billroth-Magenresektion (Billroth I und Billroth II). Zusätzlich zu seinen großen Erfolgen in der Chirurgie war Theodor Billroth auch ein leidenschaftlicher Violinist, und ein enger Freund von J. Brahms und E. Hanslick.
Im Alter von beinahe 65 Jahren starb Theodor Billroth am 6. Februar 1894 in Abazia (Opatija) und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Theodor Billroth war 1872 Gründungsmitglied der DGCH.
Diese Begründung der Gesellschaft ist dokumentiert auf einem überlebensgroßen Gemälde im Langenbeck-Virchow-Haus (LVH) in Berlin, das heute wieder der Gesellschaft zusammen mit der Berliner-Medizinischen-Gesellschaft (gegr. 1860) gehört.
Ölgemälde von Ismaél Gentz (1862 – 1914) im ersten Stock des Langenbeck-Virchow-Hauses, Berlin, Luisenstr. 58 anlässlich der Begründung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Hier steht von Langenbeck mit Billroth gegenüber Victor von Bruns (vergl. Lit. Peiper)
Weiterführende Literatur für die gesamte Seite Kunst und Medizin:
Peiper, H.J. Das Langenbeck-Virchow-Haus im Spiegel der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Einhorn-Presse Verlag 2001
Neumann-Redlin von Meding, E. über e-mail: BerlMedGes(at)t-online.de ("at" Spamschutz anstatt @)
Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
(1811 – 1890)
Büste des Bildhauers Th. Littke, 1892, nach dem Modell von B. Römer. Standort bis 1945 im Langenbeck-Virchow-Haus, von 1983 bis 2004 im Neuen Chirurgischen Zentrum der Charité und ab 2005 wieder im rückübertragenden Langenbeck-Virchow Haus.
Kaiserin Augusta, geb. am 30.9.1811 in Weimar, ist die Ehefrau des Kaisers Wilhelm I (1797 – 1888), der 1871 im Spiegelsaal der Schlosses zu Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde. Die Zeit der Regentschaft fällt in die Gründerjahre, die u.v.a. Durch eine starke Bautätigkeit gekennzeichnet war. 1887 regte die Kaiserin nach dem Tode von v.Langenbeck (1887) mit Hilfe eines Kabinettsschreibens an Staatsminister von Gossler an, das Andenken an von Langenbeck wach zu halten über ein zu errichtendes, eigenes Gebäude für die Gesellschaft für Chirurgie. Ihrem Wunsche zufolge sollte dieses Haus den Namen Langenbeck führen. Von der Regierung wurde ein exponiertes Grundstück an der Spree in der Zieglerstraße 10 angeboten und Kaiserin Augusta stiftete einen erheblichen Beitrag zu den Baukosten. Sie ging somit als Schirmherrin des Langenbeck-Hauses ein, das der Berliner Gesellschaft für Chirurgie und der Berliner Medizinischen Gesellschaft gehörte (siehe Geschichte des erst 1915 errichteten Langenbeck-Virchow-Hauses in der Luisenstraße).
Die Büste wurde nach dem Tode im Jahre 1892 erstellt und befand sich im Langenbeck-Virchow-Haus. 1945 wurde sie mit anderen wertvollen Büsten ausgelagert und von unbekannter Hand eingemauert im Keller der Chirurgie. Dort bei Umbauten aufgefunden im Jahre 1983, wurde sie im Zentrum der Chirurgie der Charité aufgestellt und – nach der Rückübertragung und Restaurierung des Langenbeck-Virchow-Haus - an ihren angestammten Standort im Haus zurück übergeben.