

Mit der steigenden Mitgliederzahl Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Langenbeck-Haus in der Ziegelstraße, das von der Berliner Medizinischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gemeinsam genutzt wurde, bald zu klein und ein Neubau erforderlich.
Das Grundstück in der Luisenstraße 58/59 wurde 1910 durch die Berliner Medizinische Gesellschaft für 603.000 Reichsmark erworben. Zusammen mit den Chirurgen vereinigte sie sich 1913 in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts als Trägergesellschaft des neu zu errichtenden Langenbeck-Virchow-Hauses.
Am 1. August 1915 erfolgte eine schlichte Eröffnungsveranstaltung durch die beiden Geschäftsführer der Langenbeck-Virchow-Haus GbR von Trendelenburg und Landau.
Die Berliner Medizinische Gesellschaft tagte am 15. Oktober 1915 zum ersten Mal im neuen Haus unter Johannes Orth, die Chirurgen kriegsbedingt erst im Jahre 1920 unter August Bier.
Von 1915 bis 1945 hielt die Berliner Medizinische Gesellschaft ihre wissenschaftlichen Sitzungen im LVH ab.
Nach Kriegsende wurde das Haus durch die sowjetische Militärbehörde bis zum November 1949 besetzt. Während dieser Nachkriegszeit kam die gesamte kostbare Inneneinrichtung mit Bildern und Gestühlen abhanden.
Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und die Berliner Medizinische Gesellschaft verpachteten das Langenbeck-Virchow-Haus zunächst an die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik auf fünf Jahre. Ab 1951 bis 1976 tagte das Parlament der DDR, die »Volkskammer«, im Haus.
Mit der Aufbauverordnung der DDR vom 01.Februar 1953 waren für die Regierung der DDR die Weichen gestellt, das LVH als »Eigentum des Volkes, Rechtsträger Sekretariat der Volkskammer« in das Grundbuchamt einzutragen. Diese Maßnahme erfolgte im November 1953 ohne Zustimmung des Oberbürgermeisters von Berlin. Im großen Saal des Langenbeck-Virchow-Hauses wurde 1953 der erste Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck, wieder gewählt (seit 1949 Präsident).
Am 18. Januar 1956 wurde schließich in diesem Haus vor den Vertretern des ersten »Arbeiter- und Bauernstaates« die Aufstellung der Nationalen Volksarmee der DDR ausgerufen.
Noch im Mai 1963 lehnte die Regierung der DDR eine Zahlung als Entschädigung ab.
Mit der Wende 1989 schien sich eine Rückgabe des alten Eigentums an die Eigentümergesellschaften anzubahnen. Die Langenbeck-Virchow-Haus GbR leitete 1990 ein Restitutionsverfahren beim Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen ein.
Die Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten von Berlin stellte im Januar 1993 eine kurzfristige Übergabe in Aussicht.
Vom Senat wurde 1995 eine gemeinsame Nutzung mit der Charité angeboten, die das Angebot annahm. Nach längeren Verhandlungen teilte dann die Charité mit, dass der Verkauf an die Eigentümer »aufgrund ausgesprochen hohen Eigenbedarfs« mittelfristig nicht in Frage käme.
Unerwartet lehnen 1994 das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, als auch die Widerspruchsbehörde die Rückübertragungsansprüche mit der Begründung ab, mit der Inanspruchnahme nach der Aufbauverordnung vom Febr. 1953 und Eintragung des Hauses in das Grundbuch (April 1953) sei das Haus mit Grundstück seinerzeit in das Eigentum des Volkes übergegangen. Eine Klage beim Verwaltungsgericht Berlin war erfolglos: das Gericht lehnte selbst die Revision des Verfahrens am 22.5.2001 ab.
2001 reichten die Gesellschaften beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision durch das Verwaltungsgericht Berlin vom Mai 2001 ein. Dieser Beschwerde wurde stattgegeben, weil am Verwaltungsgericht nicht ausreichend recherchiert worden sei, besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass der Umbau des Hauses bereits vor der Inanspruchnahme als »Volkskammer« der DDR (1951) erfolgt sei. Diese vorzeitigen Maßnahmen entsprachen nicht der seinerzeit gültigen Aufbauverordnung der DDR vom 18.12.1950. Das Verfahren wurde daher vom Bundesverwaltungsgericht an das Verwaltungsgericht Berlin zurückverlegt.
Die rege Suche nach den Bauplänen der DDR-Behörden mit zeitlichen Angaben zum Umbau des Hauses war erfolgreich. Mit der Vorlage der aufgefundenen Dokumente der DDR konnte der Beweis erbracht werden, dass nach der Inanspruchnahme des Langenbeck-Virchow-Hauses durch die Regierung der DDR zwecks Nutzung als Volkskammer (1951) keine größeren Baumaßnahmen mehr erfolgten. Damit waren die Umbauten widerrechtlich zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und die Berliner Medizinische Gesellschaft noch die Besitzer des Hauses waren. Nach Vorlage dieser amtlichen Dokumente der DDR urteilte das Verwaltungsgericht Berlin letztinstanzlich am 10.9.2002, dass das Langenbeck-Virchow-Haus an die beiden Deutsche Gesellschaften rückzuübertragen sei (rechtskräftig seit dem 23.11.2002 mit Bestandskraft ab April 2003). Am 13.2.2003 wurde, zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, die Rückübertragung in einem Festakt im Foyer des Langenbeck-Virchow-Hauses gefeiert.
Im ersten Schritt vor einer Restaurierung kam es zur Gründung einer Langenbeck-Virchow-Haus GbR (http://www.langenbeck-virchow-haus.de), so dass im Jahre 2004 der Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen der LVH-GbR und der Firma Aesculap als Unternehmen der B. Braun Gruppe möglich wurde. Gleichzeitig wurde eine Niederlassung der Aesculap Akademie als Stätte des Wissens und Dialogs geschaffen. Aber auch andere Fachgesellschaften und -Verlage, einschließlich der BMG, erhielten in vertraglicher Anbindugn an die LVH-GbR ihre Heimstätte im Langenbeck-Virchow-Haus. Damit waren die rechtlichen Voraussetzungen gegeben, bei Beibehaltung der Gemeinnützigkeit der BMG als Miteigentümer des Hauses, mit umfangreichen Renonovierungsmaßnahmen zu beginnen.
Zur Wiederherstellung (»Revitalisierung«) des
Langenbeck-Virchow-Hauses in seinen ursprünglichen Zustand gab es
eine zweijährige Planungs- und eine Bauphase. Die
Wiedereröffnung und der Nutzungsbeginn waren auf den 1. Oktober
2005 datiert. Anschließend hielt die Berliner Medizinische
Gesellschaft ihre erste Sitzung im Langenbeck-Virchow-Haus ab.






Seitdem hat sich das Langenbeck-Virchow-Haus zu einem lebendigen Veranstaltungszentrum entwickelt.
Peiper, Hans-Jürgen: Das Langenbeck-Virchow-Haus im Spiegel der Geschichte. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Einhorn-Presse Verlag, 2001